Projektion auf eine Gebäudefassade während der Einrichtung

Ratgeber

Wie ein Videomapping entsteht

Zwischen der Idee, ein Gebäude zu bespielen, und dem Moment, in dem die Projektion läuft, liegen fünf Schritte. Wer sie kennt, kann realistisch planen – und weiß, wo es teuer wird.

Videomapping 6 Min. Lesezeit Veröffentlicht am

Kurz gesagt

Beim Videomapping wird die Geometrie einer Fläche vermessen und der Bildinhalt so gerechnet, dass er auf Fenster, Vorsprünge und Ornamente passt. Projektoren werfen das Bild anschließend passgenau auf die Fläche – der Unterschied zur einfachen Projektion liegt in dieser Anpassung an die Architektur.

Schritt 1: Die Fläche entscheidet alles

Bevor über Motive oder Budget gesprochen wird, schauen wir uns die Projektionsfläche an. Sie sollte möglichst hell sein, damit Farben und Kontraste zur Geltung kommen. Fenster, Glasflächen oder reflektierende Oberflächen beeinflussen das Ergebnis, sind aber kein Hindernis – sie werden Teil des Entwurfs.

Wichtiger als die Fläche selbst ist ihre Umgebung. Straßenlaternen, beleuchtete Schaufenster und angestrahlte Nachbargebäude sind die häufigsten Störquellen. Manchmal genügt es, für die Dauer der Projektion eine Laterne abzuschalten; manchmal verschiebt sich dadurch der ganze Standort.

Schritt 2: Vermessung und Visualisierung

Für ein echtes Mapping wird die Fassadengeometrie erfasst. Daraus entsteht eine Vorlage, auf der die Animation aufbaut: Jedes Fenster, jeder Sims und jede Kante sitzt an der Stelle, an der sie auch in der Realität sitzt.

Auf dieser Basis lässt sich vorab visualisieren, wie die Projektion aussehen wird. Das ist kein Nice-to-have – es ist der Moment, in dem sich klären lässt, ob die Idee auf diesem Gebäude trägt, bevor Produktionskosten entstehen.

Schritt 3: Der Content

Hier liegt der größte variable Aufwand. Logoanimationen, Schriftgestaltung und Basisgrafiken entstehen bei uns In-House und sind entsprechend planbar. Sobald eine Animation auf die Architektur reagiert – Fenster, die sich öffnen, Mauern, die sich verschieben – wird daraus eine 3D-Produktion mit eigenem Zeitplan.

Ein häufiger Irrtum: Vorhandenes Werbematerial lässt sich selten direkt verwenden. Ein Imagefilm im 16:9-Format sieht auf einer Fassade mit unregelmäßigem Grundriss meist schlecht aus. Brauchbar sind dagegen Logos in Vektorform, Bildarchive und Farbvorgaben aus dem Corporate Design.

Schritt 4: Technik und Aufbau

Wie viele Projektoren nötig sind, ergibt sich aus Flächengröße, Umgebungslicht und Oberfläche. Ab einer bestimmten Größe rechnet sich kein Einzelgerät mehr, dann werden mehrere Projektoren überlagert und aufeinander eingemessen.

Dazu kommen die praktischen Fragen, die im Konzept gern fehlen: Wo steht die Technik, wie kommt Strom dorthin, wie wird sie bei Regen geschützt, und ist der Standort während der Veranstaltung zugänglich oder abgesperrt.

Schritt 5: Einmessen im Dunkeln

Die Feinjustage passiert erst, wenn es dunkel ist – vorher ist nicht erkennbar, ob das Bild wirklich sitzt. Für den Ablaufplan heißt das: Zwischen Sonnenuntergang und Veranstaltungsbeginn muss ein Zeitfenster liegen.

Im Juni ist das eine echte Einschränkung, weil die Dunkelheit erst spät einsetzt. Im November ist es kein Thema. Wer im Sommer projizieren will, sollte den Programmpunkt bewusst nach hinten legen.

Was typischerweise schiefgeht

Drei Dinge fallen in der Praxis am häufigsten auf. Erstens wird die Dämmerung falsch eingeplant und die Projektion startet, wenn es noch zu hell ist. Zweitens fehlt Strom in ausreichender Leistung am gewünschten Standort. Drittens kommen Content-Freigaben auf Kundenseite zu spät, sodass die Produktion unter Zeitdruck gerät.

Alle drei Punkte sind lösbar, wenn sie früh besprochen werden. Deshalb fragen wir bei Anfragen immer zuerst nach Termin, Fläche und Anlass – nicht nach der gewünschten Technik.

Nachgefragt

Häufige Rückfragen

Was ist der Unterschied zwischen Projektion und Videomapping?

Eine einfache Projektion wirft ein rechteckiges Bild auf eine Fläche. Ein Videomapping berücksichtigt die baulichen Gegebenheiten: Fenster, Türen, Vorsprünge und Ornamente werden vor der Projektion ins Bild integriert, sodass das Motiv der Architektur folgt statt sie zu überdecken.

Welche Flächen eignen sich?

Am besten helle, matte und möglichst ebene Flächen. Fenster, Glas und reflektierende Oberflächen sind kein Ausschlusskriterium, verlangen aber Berücksichtigung im Content. Dunkler Klinker schluckt viel Licht und braucht entsprechend mehr Projektorleistung.

Wie viel Platz braucht der Projektor?

Das hängt vom Objektiv ab. Mit Weitwinkeloptiken lassen sich große Flächen aus kurzer Distanz bespielen, Standardoptiken brauchen mehr Abstand. Bei beengten Standorten prüfen wir vorab, ob die nötige Projektionsdistanz überhaupt zur Verfügung steht.

Wollt ihr wissen, ob eure Fläche funktioniert?

Schickt uns ein Foto – wir sagen euch, was auf dieser Fassade möglich ist und was nicht.